Ich hatte keinen Hunger und aß trotzdem. Jeder Bissen lag mir schwer im Magen. Jetzt bloß nichts anmerken lassen, jetzt bloß nicht los heulen. Ich blätterte in einem Katalog. Es kam mir alles so falsch vor.
Ich hatte versucht ihn zu trösten, so wie er mich immer getröstet hat als ich es gebraucht habe. Ich saß bei ihm und hab ihm den Rücken gestreichelt, ihm den Arm um die Schultern gelegt. Ich wusste das so was manchmal echt gut tat. Mir hats immer gut getan. Zu wissen, dass man nicht alleine ist. Das Gefühl wollte ich ihm auch vermitteln.
- „Du kannst mich immer anrufen, mir immer eine SmS schreiben. Du hast meine Nummer ja.“ … - „Ich komm dich besuchen, oft.“ …
Wie konnten sie nur seine Tränen und sein Heulen ignorieren. - „Es ist nicht mehr so kalt wie gestern Abend.“ … Nein, es ist viel kälter.
Das Zimmer war ja fast leer... „Ich hab meine Sachen schon gepackt.“ sagte er. Ich nickte. Tränen flossen ihm immer noch aus den Augen. „Die Sachen die noch hier sind bringt sie mir dann im laufe der Woche.“ Ich nickte. Er begann zu schluchzen. Laut; Verzweifelt. Ich nahm ihm in den Arm. Ich musste auch fast heulen. Ich war viel zu nah am Wasser gebaut.
-„Sie sagt wir sollen Freunde bleiben. Aber das kann ich nicht. Wenn ich sie seh will ich sie küssen. Wie soll das gehen?“....
- „Ich liebe sie, wie soll ich denn ohne sie weiter leben?“ Das fragte er mich. Ich fragte mich nur: Wie kann man so feige sein? Bei ner Freundin zu sein und dann Schluss zu machen und dann nicht nach Hause kommen. So was ist echt feige.Aber ich denke,dass es für sie genauso schwer ist ...
Es ging ihm so beschissen. War es ihr egal? Wie konnte man so grausam sein?
Er umarmte mich zum Abschied, lange. „Danke für alles.“ flüsterte er. „Ich muss dir danken.“ flüsterte ich zurück. Er war immer für mich da gewesen. „Mach keine Dummheiten.“ sagte ich noch in sein Ohr. Ich wollte noch etwas sagen, dass unsere Feinde nun das bekommen hatten was sie wollten – die Trennung unseres Dream Teams. Die Trennung von uns drei.
Und dann ging er an die Straße. Er stand bei seinem Fernseher. Ich stellte mich zu ihm. Und als er das Gerät ins Auto lud, erinnerte ich mich zwangsläufig an den Tag vor fast zehn Jahren. Mein Vater war gegangen. Man hatte mir gesagt es wird alles wieder gut. Doch das wurde es nicht. Nie.
Ich wollte es ihm auch sagen, doch ich wollte nicht lügen. Noch eine letzte Umarmung, dann stieg er ein und wank mir zum Abschied.
Ich wusste, er trug den Ring immer noch.
Es würde nie mehr so sein wie es gewesen ist. Gestern haben wir noch gelacht und heute sagten wir uns lebe wohl. Kein zukünftiger Freund meiner Schwester würde mir so wichtig sein. Denn ich würde keinem so wichtig sein. Keiner würde mehr so für mich da sein. Er hatte sich oft für meine Schwester entschuldigt. Er sagte dann immer, dass er fand das sie über reagiert hat und das, das zu hart war. Er bewahrte mich so mit vor vielen Schnitten und Narben. Doch jetzt ist alles vorbei.
Ich habe einen guten Freund verloren, ein Familienmitglied. Und wenn ich so durch das Haus schlurfe ist alles wie es ist ...: Mein Zimmer ist das selbe Chaos wie immer; Das Sofa im Wohnzimmer ist immer noch voller Hundehaare; Der Herd in der Küche ist immer noch kaputt, genau wie der eine Beistelltisch; Mein Licht spinnt immer noch,- er wollte sich das mal anschauen, wird er jetzt nie machen. Ja, es ist alles wie vorher, aber ganz anders. Es fehlt etwas.
Es ist wie damals als mein Stiefopa starb. Bloß diesmal ist er für sie gestorben.
Das Haus wird kälter, es ist als wären die Fenster und Türen undicht, als hatte mein Zuhause Löscher bekommen.
- „Du kannst den Rest vom Eis haben. Wenn du es nicht heute isst, kannst du es auch Morgen essen.“ - „Quatsch! Das Teilen wir uns Morgen, oder so.“


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